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Knickfüße

Eigentlich ist der Knickfuß ganz einfach zu erkennen, im Regelfall im Anfangsstadium schmerzfrei. Bei den meisten der Betroffenen treten zunächst Kniebeschwerden oder Schmerzen im Unterschenkel auf. In den folgenden Kapiteln haben Sie die Möglichkeit, ganz einfach selbst zu testen, ob Sie, Ihr Kind oder der Partner einen Knickfuß beklagen und wie man diesen therapiert.

Die Zeichnung zeigt links einen belasteten gesunden Fuß. Die Achse verläuft fast geradlinig.Rechts daneben ist ein einfacher Senk- Knickfuß zu sehen. Der Fuß knickt leicht nach innen ein.

 

 

Auf der folgenden Ansicht ist der Einfall des Fußes weiter fortgeschritten. Die markierten Stellen zeigen, wo der Knochenverschleiß am stärksten ist. Durch die negativ beeinflusste Körperstatik kommt es zwangsläufig auch zu Knieproblemen, weil der Unterschenkel in einer Schräglage zum Knie geführt wird,- er dient dabei quasi wie ein Hebel, der das Kniegelenk einseitig überbelastet,- das bei jedem Schritt und sogar im sitzen.

 

 

Weil das Knie schmerzempfindlicher ist als der Fuß, gehen die meisten Menschen wegen Knieschmerzen zum Arzt. Leider verschreiben viele Ärzte zwar Schmerzmittel, aber gehen dem eigentlichen Ursprung der Kniebeschwerden nicht nach. Wenn bereits die Arthrose eingetreten ist, ist es für die dann schon älteren Patienten ein harter Weg.

Die nebenstehende Zeichnung verdeutlicht, wie sich der Aufbau des Skeletts zusammensetzt. Alle Knochen werden beginnend mit den Füßen aufeinander aufgestellt. Knickt der Fuß ein, wird der Unterschenkel (Schien- und Wadenbein) schräg zum Knie geführt. Durch den relativ langen Weg zum Knie wird das Schienbein nun zum Hebel. Das Kniegelenk wird schräg zur Kniescheibe geführt und es kommt zu einseitiger Überbeanspruchung des Knies. Im Laufe der Jahre kommt es zu starken Abnutzungen und später zu schmerzhaften Reizungen.

 

Knickfuß

 

Sehr häufig werden die Knie mit Salben, Bestrahlungen und Spritzen behandelt, aber die eigentliche Ursache bleibt unbehandelt. So werden die Knieprobleme für kurze Zeit gelindert, aber weil die Ursache nicht beachtet wird, kommen die Beschwerden regelmäßig wieder und werden jedes mal stärker.

Bedenkt man, dass alle Schmerzmittel negative Spuren im Körper hinterlassen, sollte man alternativen Behandlungsmethoden den Vorrang lassen. Ich habe bislang über 95% der Kniepatienten, bei denen ein Knickfuß diagnostiziert werden konnte, mit einer einfachen Gymnastik- und Einlagentherapie helfen können. Oft waren die Patienten früher in mehrjähriger ärztlichen Behandlung. Manche hatten ihren Sport wegen der Knie aufgegeben müssen und auch im Beruf Probleme. In der Regel werden Knieprobleme in weniger als 10 Tagen vergessen.

Selbstdiagnose des Knickfuß

Eine Selbstdiagnose ist mit Hilfe von zwei Spiegeln oder einer Videokamera ganz einfach möglich. Bricht der Fuß, sobald er belastet wird wie der Linke auf der nebenstehenden Zeichnung zusammen, muss dieser Test nicht weiter fortgesetzt werden. Sofern Sie sich nicht ganz sicher sind, hilft ein weiterer Test, der auch in der Arztpraxis angewendet wird, um letztendlich die Statikprobleme aufzeigen kann.

Stellen Sie sich auf einer ebenen Fläche barfuss dort hin, wo Sie sich ggf. mit der linken Hand abstützen können. Strecken Sie nun das rechte Bein seitlich vom Körper weg und beobachten Sie mit Hilfe der Spiegel oder der Videokamera die linke Ferse. Bleibt der Fuß keine 10 Sekunden lang gerade stehen und wird ein Festhalten nötig, ist der Zustand dieses Fußes bedenklich. Wiederholen Sie danach diese Übung mit dem anderen Fuß.

Knickfuß am Schuh erkennen

Oft stellt man den Knickfuß bereits am Schuh fest, wie auf den folgenden Bildern leicht zu erkennen ist.

 

 

Der Knickfuß verschiebt das Körpergewicht auf die innere Ferse. Ein Schuh mit weicher Sohle fördert diese Fußhaltung. Schnell gerät der Schuh aus der Form und desto eingetretener der Schuh ist, umso mehr knickt der Fuß ein. Schaut man sich die Bilder genauer an, kann man sich ganz leicht vorstellen, wie sehr die Fußgelenke und die Knie fehlbelastet werden.

Schuhe mit harter Sohle und fester Fersenkappe geraten zwar nicht so schnell aus der Form, weil der Fuß etwas mehr Halt hat. Darum hat man früher den Patienten mit Knickfüßen zu solchen, stabilen Schuhen geraten,- manche Ärzte tun dies heute noch. Man sollte jedoch bedenken, dass ein harter, steifer Schuh den Gelenken bis hoch zum Rücken schadet, weil solch ein Schuh so gut wie keine Dämpfung hat.

Tipp: Wurden die Schuhe vorher ohne Einlagen getragen, sollten diese zunächst vom Fachmann nachgeformt und stabilisiert werden. Dort wo unter der Einlage später der Supinationskeil sitzt, sollte ein weicher Schuh grundsätzlich etwas verstärkt werden, weil sich ansonsten der Keil nach kurzer Zeit in den Schuh drückt und die Wirkung des Keils beeinträchtigt wird.

Einlagen bei Knickfüßen

Die modernen Einlagen, aber auch die bewährten Plexi-, Kork-Leder oder Hartkunststoffeinlagen, die für einen Knickfuß nach Maß gefertigt werden, haben grundsätzlich einen Supinationskeil, der vor der inneren Fersenseite unter der Einlage sitzt

Der Supinationskeil hat die Aufgabe, den Fuß und die Einlage in der optimalen Statik zu halten. Ohne diesen Keil würde der Fuß samt Einlage einknicken.

Bei der “Soll- Stellung” mit Einlagen oder Schuhzurichtungen bleibt die Statik bei jedem Schritt im Lot, die Belastung ist identisch mit dem Normalfuß.

 

Knick-Senkfuß unbelastet

Knick-Senkfuß belastet

Knick-Senkfuß belastet mit Einlage

 

 

Folgebeschwerden von Knickfüßen

Wird der Knickfuß nicht oder nur unzureichend behandelt, sind die Beschwerden wahrscheinlich, die in folgender Reihenfolge auftreten:

  1. Knie- oder Wadenprobleme
  2. Hüft- und Rückenbeschwerden
  3. Schmerzen in der Aarchilissehne
  4. Fußgelenkschmerzen

Desto mehr die Füße belastet werden, umso stärker werden die Abnutzungen der Gelenke und beim Knick-Senkfuß der Verfall, der leicht zur Arthrose führen kann. Betrachtet man etwa an einer Bushaltestelle an der Schule die Schuhe der Kinder, findet man mindestens 1/3 mit derart stark ausgeprägten Knickfüßen, die bereits am beschuhten Fuß erkennbar sind.

Spätestens im Berufsleben sind erhebliche Probleme vorprogrammiert, die vermeidbar wären. Nicht selten verliert ein junger Mensch heute seine Arbeit, weil Füße und Knie zum Krankfeiern zwingen. Wer bereits im jungem Alter regelmäßig Fußball spielt, ohne dass darauf geachtet wird, dass die Fußballschuhe für den Knickfuß zugerichtet werden, bekommt recht frühzeitig Knieprobleme. Viele Amateurfußballer geben ihren Sport bereits vor dem 30. Lebensjahr deswegen auf.

In Profivereinen werden regelmäßige Fußgesundheitsschecks durchgeführt und die Spieler mit Fußschwächen erhalten Zurichtungen in ihren Schuhen. Amateurvereine haben die gleichen Möglichkeiten zur Präventation, jedoch liegt die Quote der Nutzung (gerade beim Fußballsport) bei unter 5%, und das hängt nicht vom Geld ab, sondern von der Einstellung zum Fuß.

Im Regelfall wird der Fuß vernachlässigt, denn anderes als beim Profispieler wird der Fuß nicht als Kapital betrachtet. Da sich auch die meisten Eltern nicht um die Fußgesundheit bemühen und die Krankenkassen vollständige Therapien nicht bezahlen, bleibt der negative Trend noch über Generationen hinweg bestehen

Behandlung von Knickfüßen

Alter von ca. 4 bis 6 Jahren (je nach Entwicklungsstand und Grad des Knickfußes) ist die Behandlung unkompliziert. Mit einfachen Gymnastikübungen, die man täglich zuhause durchführen kann und barfuß auf Naturböden laufen, wird zunächst versucht, den Fuß zu kräftigen. Ist nach einem halben Jahr kein deutlich sichtbarer Erfolg erkennbar, oder hat der Patient das 10. Lebensjahr bereits überschritten, kann mit einer “Einlagen- Schocktherapie” begonnen werden. Diese Therapie beinhaltet Spezialeinlagen für alle Schuhe und Zurichtungen in Hausschuhen . Barfuß laufen auf harten Böden, etwa in der Wohnung, ist nur für maximal 10 Minuten am Tag gestattet. Der Erfolg lässt, eine gewissenhafte Konsequenz vorausgesetzt, nicht lange auf sich warten! Selbst junge Knick-/Plattfüße können so zum Normalfuß therapiert werden.

Leider ist es in Deutschland zur Regel geworden, dass man die Einlagentherapie nicht ernst genug nimmt. Fälschlicher Weise geht man davon aus, dass der schmerzfreie Kinderfuß keine Einlagen braucht. Ebenso häufig werden falsche Einlagen verabreicht (siehe unten).

In der Pubertät wird die allgemeine Gesundheit von dem Großteil der Heranwachsenden ohnehin nicht besonders ernst genommen und somit ist es auch keine Besonderheit, dass Einlagen und Gymnastik “nicht mehr gebraucht” werden. Dieses hängt allerdings auch damit zusammen, dass “falsche” Einlagenmaterialien verschrieben werden, die nicht in Teenies Lieblingsschuh passen und dem Kind nicht klar gemacht wird, dass der Gang ohne Einlagen “viel peinlicher ist, denn jeder kann den Plattfuß sehen.

Mit speziell abgestimmten Einlagen ist es auch beim ausgewachsenen Knickfuß möglich, dass auch der Fuß gerade steht und die bekannten Folgebeschwerden ausbleiben. Ist der Fuß jedoch kontrakt und kommt bei Entlastung nicht mehr selbstständig in die korrekte Form, sind häufig die Operation und danach eine orthopädische Schuhversorgung der letzte Ausweg.

Fazit

Nur wer dem Knickfuß rechtzeitig mit korrigierenden Maßeinlagen und Gymnastik entgegen wirkt, wird ein Leben lang schmerzfrei laufen können. Die These, dass Einlagen nur zur Schmerzlinderung taugen, ist genau so ein absoluter Blödsinn wie der häufig von manchen Kinderärzten genannte “Therapievorschlag”, dass man nichts unternehmen muss, weil der Knick- Senkfuß beim Schulkind “von alleine herauswächst”.

Falsche “orthopädischen Maßeinlagen” sind kaum effektiver, wie Fertigfußbetten, die in Birkenstock und manchen anderen Schuhen zu finden sind.Kinderärzte sagen häufig, “der Knickfuß wächst raus”. Eine Muskel- und Sehnenschwäche kann nicht herauswachsen,- man kann Muskeln nur kräftigen und Sehnen schonen, damit sie letztendlich Halt bieten. Beim Knickfuß kommt man um Einlagen nicht herum,- aber Einlage ist nicht gleich Einlage.